Schiffbau alleine reicht nicht mehr

Werft 2.0 – Eine Branche im Wandel

Neupositionierungen, erweiterte Portfolios und Mitarbeiter mit unterschiedlichen Spezialisierungen: Werftbetriebe im Zeitalter nach der Wirtschaftskrise. War der Schiffbau in den Jahren 2006 und 2007 in Deutschland mit seinen Containern und Luxusjachten auf dem Zenit seines Erfolges, so rangen die Betriebe 2009 um ihre Existenz. Kündigungen, Kurzarbeit und der Kampf gegen die Insolvenz. Große Werften wie die Wadan-Werft, Blohm & Voss und die Sietas Werft bangten um ihr Bestehen. Und sie waren nur die Spitze des Eisbergs. Halfen hier oftmals Kredite der Landesregierungen in Millionenhöhe, so mussten die kleineren Werften ihren Weg aus den Schulden meist alleine gehen.

Auch heute ist die Krise noch nicht vorbei. Viele Unternehmen haben immer noch zu wenige Aufträge und kommen kaum an Kredite heran. Und die ausländische Konkurrenz drängt mit Tiefpreisen. Bedeutende Schiffbauanlagen wie die Lloyd Werft in Bremerhaven, die Hegemann und Wadan Werften oder auch Lindenau rangen mit der Insolvenz. Einige von ihnen verloren den Kampf. So bewilligte die HSH Nordbank der Kieler Traditionswerft Lindenau keinen Kredit, der dringend zur Realisierung eines Bauauftrags gebraucht wurde. Dagegen konnten die Hegemann-Werften in Stralsund und Wolgast mit staatlichen Bürgschaften in Höhe von 326 Millionen Euro gerettet werden.

Dieses Glück haben nicht viele der angeschlagenen Betriebe, zumal die meisten Banken nur selten Kredite gewähren. Hinzukommt, dass die Auftraggeber oft nur eine kleine Anschubfinanzierung bis zu 15% des Auftragsvolumens geben. Den Rest müssen die Unternehmen über Banken, Landes- oder Bundesbürgschaften vorfinanzieren. 60 Stornierungen im Wert von circa 2,2 Milliarden Euro müssen die deutschen Schiffbauanlagen seit Herbst 2008 verkraften. Sechs Werften sind bereits in die Insolvenz gegangen, andere haben große wirtschaftliche Probleme. Im September 2009 waren rund 17.500 Menschen im Schiffbau direkt beschäftigt, ein Rückgang um fast 15% gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2010 werden es allen Prognosen nach nur noch 16.721 Beschäftigte sein.

Aus dieser Entwicklung haben einige der Werften gelernt. So stellte die Lloyd Werft ihr Unternehmenskonzept auf drei Säulen: Schiffsreparaturen, Umbau und Fertigbau. Auch die SSW Schichau Seebeck Shipyard vereint ihr Schiffbau-Know mit einem eigenen Stahlbetrieb. Werft allein zählt nicht mehr, da muss noch mehr dahinter stecken. Das weiß auch Friedrich Baumgärtel, Geschäftsführer der Altenwerder Schiffswerft. Auch seine Familienwerft wurde von der großen Krise tangiert – so wie fast alle norddeutschen Werften Ende 2008. War das Unternehmen zu seiner Gründung 1984 vor allem auf Schiffsumbauten und -reparaturen spezialisiert, so kamen im Laufe der Jahre weitere Spezialisierungen hinzu. Heute bedient das Traditionsunternehmen aus Hamburg Harburg zum einen die Werftkriterien als auch die des allgemeinen und des spezialisierten Stahlbaus, des Flutschutzes und auch der Asbestentsorgung.

„Man muss sich den Ansprüchen der Auftraggeber anpassen. Eine Spezialisierung reicht heutzutage nicht mehr aus. Die Kunden wünschen sich Unternehmen, die sie gleich für mehrere Maßnahmen buchen können“, so der Kenner der Branche Friedrich Baumgärtel. Die Altenwerder Schiffswerft ist nach mehr als 25 Jahren zum Allrounder der Branche geworden. Heute gehören nicht nur klassische Schiffsreparaturen im Hamburger Hafengebiet und auf Seeschiffen zu den Firmenschwerpunkten. Auch Konstruktion und Herstellung von Hochwasserschutzsystemen, Sanierung von Wehr-, Ponton- und Schleusenanlagen und Sonderkonstruktionen aus Stahl übernimmt die Altenwerder Schiffswerft. Im Laufe der Entwicklung und an die jeweilige wirtschaftliche Lage angepasst strukturierte Friedrich Baumgärtel das Unternehmen für vielfältige neue Aufgaben um. Zum einen ging er den Weg der Rückbesinnung zu den Kernkompetenzen während er im selben Schritt die Ausweitung von Nischensegmenten, wie den Bau von Flutschutztoren oder den Pontonbau, fokussierte. Als modernes Dienstleistungsunternehmen müsse man heutzutage auf verschiedenen Standbeinen stehen und den Service am Kunden täglich praktizieren, meint der Experte. „Das Schiffbaugewerbe ist mit Blick auf die Vergangenheit ein oftmals schwankendes Schiff“. Aus diesem Grund sollte man parallel weitere Dienstleitungen anbieten. Zur Steigerung der Leistungen und des Angebotes an die Kunden greift Friedrich Baumgärtel auf ein Team aus Spezialisten zurück. Das Spektrum der eigenen Dienstleitungen ist groß, es muss sich eben den Wünschen des Kunden anpassen.

Diversifizierung ist dabei das Schlüsselwort der Branche, die sich immer stärker in einer globalen Wirtschaft behaupten muss. Die meisten deutschen Werftunternehmen verfügen mittlerweile über ein äußerst differenziertes Leistungsspektrum. Ausbaufähige Nischen werden immer häufiger besetzt. Vor allem sind der Sonderschiffbau und die Präzisionsarbeit bei der Reparatur immer gefragter.

Über die Altenwerder Schiffswerft:
Die Altenwerder Schiffswerft GmbH & Co. KG wurde 1984 gegründet. In den ersten Jahren wurden vorrangig Schiffsumbauten und –reparaturen ausgeführt. Seit 1988 konzentriert sich die Werft auch auf den allgemeinen und den spezialisierten Stahlbau. Heute gehören nicht nur klassische Schiffsreparaturen im Hamburger Hafengebiet und auf Seeschiffen zu den Firmenschwerpunkten. Auch Konstruktion und Herstellung von Hochwasserschutzsystemen, Sanierung von Wehr- und Schleusenanlagen, Neubau und Sanierung von Pontonanlagen und Sonderkonstruktionen aus Stahl übernimmt die Altenwerder Schiffswerft. Ein Spezialistenteam von Ingenieuren, Meistern und Facharbeitern steht jederzeit zur Umsetzung von Bauaufträgen aus diesen Bereichen zur Verfügung.

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